Gestern war ich im Kino (siehe Twitter
) und habe mir Kick-Ass angeschaut. Den Comic dazu habe ich bisher nicht gelesen, da ich auch erst vor kurzen erfahren habe, dass es überhaupt einen gibt. Deshalb kann ich auch einigermaßen unvoreingenommen da rangehen
Dave Lizewski ist der totale Durchschnittstyp, kein toller Kerl, kein Loser, niemand der irgendwie heraussticht. Und er kommt auf die Idee, sich mit einem Taucheranzug als Superheld auf die Straßen zu wagen und das Verbrechen zu bekämpfen. Aber nur zwischen 21 Uhr und 2 Uhr. Das Ganze natürlich ohne Superkräfte, aber er hat es satt, nur zuzusehen, wie es doch viele andere machen. Er entdeckt also seine Zivilcourage. Der erste Versuch scheitert kläglich, bringt ihm aber doch einen kleinen Verbrechensbekämpfungsbonus, denn durch eine Messerstecherei plus anschließendem Autounfall wird ein Großteil seiner Knochen verschraubt und seine Nervenenden geschädigt. Ergo: Er kann mehr Prügel einstecken.
Natürlich übernimmt er sich total, trifft aber auf andere Superhelden, Big Daddy und Hit Girl, die dem Gangster Boss Frank D’Amico den Kampf angesagt haben. Sie helfen ihm aus der Patsche, denn Hit-Girl, obwohl erst 11 Jahre alt, hat es wirklich drauf. Der Gangster wird auf Kick-Ass aufmerksam und beginnt ihn zu folgen, da er denkt, er wäre für Big Daddys Aktionen verantwortlich. Am Ende gibt es dann natürlich auch den großen Showdown.
Der Film ist mal was anderes. Es ist keine typische Superhelden Story, da es eigentlich keine Superhelden gibt, sondern einfach nur normale Menschen, die auf Verbrecherjagd gehen und sich hinter einer Maske verbergen. Da gibt es den normalen Typen, der sich etwas überschätzt, den Ex-Cop und Waffennarren, sowie das kleine Mädel mir Kampfsporterfahrung.
Außerdem unterscheidet sich der Film noch in einem Punkt von Spider-Man und Co. Es fliegen Körperteile und Kopfschüsse sind keine Seltenheit. Und diese beiden Punkte fand ich gerade erfrischend, so wie schon bei den Watchmen, bei denen es eigentlich ja auch nur ein echtes Superwesen gibt und die herrlich dreckig und abstossend sind.
Die wahre Action gibt’s im Film aber immer dann, wenn Hit-Girl auftaucht. Von Ihrem Vater zu Minikampfmaschine ausgebildet, ist sie sein Werkzeug zur Rache am Gangsterboss. Das ist natürlich alles schon wieder völlig übertrieben dargestellt und blutig in Szene gesetzt, aber macht auch richtig Spaß, denn gerade diese Kampfszenen geben dem Film die richtige Würze und den “Kick”. Natürlich kann man sich aufregen, wie man denn ein 11-jähriges Kind mordend durch die Gegend ziehen lassen kann, aber man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen. Bei Nerdcore habe ich gelesen: “Superhelden töten niemanden.” Das ist zwar so nicht richtig, aber trifft schon auf die “großen zu und auf die meisten Verfilmungen, die ja ihre ab 12-Freigabe haben wollen. Da stirbt der Schurke ja am Ende nur, weil der Held ihn nicht mehr retten konnte. Die getöteten Helfer sieht man halt nur nicht so explizit. Aber wir dürfen ja auch nicht ausser acht lassen, dass in Kick-Ass keine Superhelden mitspielen und es besitzt auch niemand Supertechnologie. Man kann also die Schurken nicht am Netz zwischen ein paar Hochhäusern aufhängen oder sie mit dem Superschrei betäuben. Wenn man sich zu einem Gangsterboss durchkämpft, dann muss man halt auf die gute alte Handfeuerwaffe zurückgreifen. Alles andere wäre einfach unrealistisch. Und Hit-Girl wäre dann noch unrealistischer. Stattdessen sollte man den Film als das betrachten, was er ist: Popcorn-Kino mit dicker Action. Wenn Hit-Girl im Film nicht 11 wäre, würde das den “Wow-Effekt” nehmen. Und es würde ja auch von der Vorlage abweichen. Ich versteh bei Nerdcore aber auch nicht, warum das im Comic ok ist, aber im Film nicht? Beides ist Fiktion.
Wie dem auch sei. Ich fand den Film klasse, erfrischend anders und Hit-Girl ist ‘ne coole Nummer. Schließlich hält der Film der Gesellschaft auch einen Spiegel vor und kritisiert, dass Leute nur zusehen, wenn andere Verprügelt und ausgeraubt werden. Mal schauen, dass ich den Comic kriege..